Andrea Idrissa Mbwambo über Tansania, seine Heimat und darüber, was er Menschen in Europa gerne zeigen würde
Wenn Dr. Uwe Schönfeld von Tansania erzählt, spricht er von dem besonderen Gefühl, das ihn jedes Mal erfasst, sobald er aus dem Flugzeug steigt.
Von Wärme.
Von Gerüchen.
Von Menschen, die ihn willkommen heißen.
Und von dem Gefühl, plötzlich in einer anderen Welt zu sein.
Für Andrea Idrissa Mbwambo ist diese andere Welt keine ferne Wildnis.
Sie ist seine Heimat.
Andrea lebt und arbeitet in Tansania. Als Tierarzt ist er seit vielen Jahren im Wildtier- und Naturschutz tätig. Bei der Tanzania National Parks Authority (TANAPA) arbeitet er als Senior Conservation Ranger – Wild Animals Health (Veterinary Unit).
Sein Arbeitsplatz sind damit Orte, die viele Menschen nur aus Naturdokumentationen kennen.
Doch wenn Andrea über Tansania spricht, erzählt er nicht zuerst von seiner Arbeit.
Er erzählt von seinem Land.
Ein Land, das viele kaum kennen.
Während seiner Zeit in Europa machte Andrea eine Erfahrung, die ihn überraschte.
Er sprach mit Menschen über Tansania und stellte fest, dass viele nur wenig über das ostafrikanische Land wussten.
Manche konnten sich kaum vorstellen, was es dort überhaupt zu entdecken gibt.
Andrea kann darüber nur staunen.
Denn für ihn ist Tansania ein Land mit einer außergewöhnlichen Vielfalt.
Nationalparks und weite Landschaften gehören ebenso dazu wie tropische Inseln, Strände und der Indische Ozean.
Es gibt Orte, an denen wilde Tiere durch scheinbar endlose Landschaften ziehen.
Und andere, an denen das Leben vom Meer bestimmt wird.
Andrea möchte, dass mehr Menschen diese Vielfalt kennenlernen.
Viel mehr als Serengeti und Kilimandscharo
Wer Tansania kennt, denkt häufig zuerst an zwei Namen:
Serengeti.
Kilimandscharo.
Doch Andrea zählt weiter.
Er erzählt von Sansibar und seinen Gewürzfarmen.
Von wunderschönen Stränden.
Vom Indischen Ozean.
Von Orten, an denen Menschen aufs Meer hinausfahren und Delfine beobachten können.
Und von Mafia Island, einer Insel, die weit weniger bekannt ist als Sansibar und die Andrea besonders schön findet.
Doch Tansanias Vielfalt zeigt sich nicht nur an seinen Küsten.
Andrea nennt noch einen anderen Ort, den vermutlich deutlich weniger Menschen in Europa kennen: den Kitulo National Park im Süden Tansanias.
Kitulo ist anders als das klassische Bild, das viele Menschen von einem afrikanischen Nationalpark im Kopf haben. Hier stehen nicht die großen Wildtierherden im Mittelpunkt.
Es sind die Pflanzen.
Unterschiedliche Arten von Wildblumen prägen die Landschaft und verwandeln sie zu bestimmten Zeiten in ein beeindruckendes Blütenmeer.
Andrea beschreibt diesen besonderen Ort deshalb als eine Art „Garten Eden“ Tansanias.
Und genau solche Orte möchte er Menschen zeigen, die bei Tansania bisher nur an Serengeti, Kilimandscharo und die berühmten großen Wildtiere denken.
Für ihn zeigt all das, wie unterschiedlich Tansania sein kann.
Savanne und Meer.
Wildnis und Inseln.
Berge und Blumenlandschaften.
Nationalparks und Dörfer.
Tiere, Landschaften und Menschen.
Tansania lässt sich nicht auf ein einziges Bild reduzieren.
Viele Kulturen und eine gemeinsame Sprache
Doch wenn Andrea über die Vielfalt seines Landes spricht, meint er nicht nur Landschaften und Tiere.
Er meint auch die Menschen.
In Tansania leben zahlreiche Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichen Traditionen und Kulturen.
Andrea nennt beispielsweise die Massai.
Was diese unterschiedlichen Menschen miteinander verbindet, ist für ihn etwas ganz Entscheidendes:
die Sprache.
Swahili.
Eine gemeinsame Sprache, die über kulturelle Unterschiede hinweg verbindet.
Für Andrea ist genau das ein wichtiger Teil dessen, was Tansania ausmacht.
Viele unterschiedliche Menschen.
Viele Traditionen.
Und trotzdem etwas Gemeinsames.
Wer Tansania verstehen will, muss mehr sehen als seine Wildtiere
Für WildDocs spielen die Nationalparks und ihre Tiere natürlich eine zentrale Rolle.
Doch Andreas Erzählungen erinnern an etwas, das leicht vergessen wird:
Wildtierschutz findet nicht in einer menschenleeren Kulisse statt.
Die Tiere, für deren Schutz wir arbeiten, sind Teil eines Landes.
Eines Landes mit Menschen, Kulturen, Sprachen und einer eigenen Geschichte.
Und für Andrea ist die Serengeti nicht einfach eine spektakuläre Landschaft auf einem Foto.
Sie gehört zu seiner Heimat.
Vielleicht ist genau deshalb seine Perspektive für WildDocs so wichtig.
Denn internationale Zusammenarbeit funktioniert nur dann wirklich, wenn sie in beide Richtungen geht.
Wenn Wissen geteilt wird.
Wenn Menschen voneinander lernen.
Und wenn diejenigen eine Stimme bekommen, die jeden Tag vor Ort arbeiten.
zwei Perspektiven auf dieselbe Welt
Wenn Uwe nach Tansania kommt, sieht er vieles mit den Augen eines Menschen, der aus Deutschland anreist.
Er staunt über die Landschaft.
Über die Tiere.
Über die Geräusche.
Über Begegnungen, die ihm noch lange im Gedächtnis bleiben.
Andrea sieht dieselben Landschaften mit anderen Augen.
Für ihn sind sie nicht das Ziel einer langen Reise.
Sie sind der Ort, an dem er lebt und arbeitet.
Und vielleicht braucht guter Naturschutz genau diese beiden Perspektiven.
Menschen, die von außen Wissen, Erfahrung und Unterstützung mitbringen.
Und Menschen, die das Land kennen, seine Natur verstehen und wissen, was vor Ort tatsächlich gebraucht wird.
WildDocs bringt diese Perspektiven zusammen.
Nicht, weil eine wichtiger wäre als die andere.
Sondern weil nachhaltiger Wildtierschutz nur gemeinsam funktionieren kann.
Für Uwe beginnt beim Aussteigen aus dem Flugzeug eine andere Welt.
Für Andrea beginnt dort einfach: Zuhause.

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